26 Oktober 2007

Der Gewinn der Lehre der Vorsehung

Inst I 17

Die Lehre der Vorsehung muss, wie jede biblische Lehre, einen Gewinn für den Gläubigen haben. Wenn dem nicht so wäre, würde der christliche Glaube, den Calvin in der Institutio vorstellt, zu einer Denk- und Moralhülle erstarren.

Immer wieder gibt es Menschen, die gerade in dieser Lehre ihrer eigenen Neugier freien Lauf lassen und die innersten Geheimnisse Gottes erforschen möchten. Sie wollen sich nicht zufrieden geben, bevor sie keine Antwort auf den letzten Zweifel haben, den ihnen ihm Herz und im Kopf herumschwirrt. Andere wiederum treiben es noch ein wenig weiter. Sie begnügen sich nicht damit Gottes Plan zu erforschen, sondern beurteilen ihn nach ihren eigenen moralischen Vorstellungen. Sie wollen Gottes Wege ans Licht zerren und nach ihrer eigenen Gerechtigkeit richten. Wer so etwas tut, der erkennt weder sich selbst, noch den, den er hier vor sein eigenes Gericht zieht. Der Mensch kann nur in Bescheidenheit und Demut den Segen entdecken, der in der Lehre der Vorsehung liegt.

Die Bescheidenheit führt den Gläubigen dazu, dass er nicht gegen Gottes Plan murrt. Vielmehr sind Gottes Kinder dankbar dafür zu erkennen, dass in der stürmischen Zeit unserer Tage Gott der ewige Herrscher ist. Er kann nicht durch die Macht des Bösen plötzlich überwunden werden, wie irdische Regierungen gestürzt und abgelöst werden. Nein, Gottes Herrschaft bleibt. Wer das erkennt, wird Gott für alles Gute dankbar und in allem Leiden geduldig sein. «Es gibt keine kräftigere Arznei gegen Zorn und Ungeduld» als die Lehre der Vorsehung.

Allerdings will die Lehre der Vorsehung uns nicht zum Fatalismus führen. Wer sich einfach dem Schicksal (oder eben der Vorsehung Gottes) hingibt und sich selbst weder um Gefahr noch um sein Leben kümmert, der hat diese Lehre missverstanden. Calvin zeigt deutlich auf (wie das auch die reformierten Bekenntnisschriften tun), dass Gott seinen Plan durch ganz normal Dinge durchführt. Die Theologie nennt das Mittelursachen – Gott wirkt durch ein Mittel seine Vorsehung. Wenn wir nun wissen, dass ein Medikament uns vor dem Tod bewahren kann, dann ist es falsch, wenn wir es nicht nehmen, in der Meinung, dass wir eben in Gottes Hand sind. Die medizinische Kenntnis gehört zur Vorsehung dazu. Wir dürfen nicht einfach ein Teil unseres Wissens und unseres Lebens ausblenden.

Die Vorsehung ist ausserdem auch der Grund für die Hoffnung, dass unsere Gebete erhört werden. Nur ein Gott, der in Raum und Zeit eingreifen und seinen Plan ausführen kann, kann unsere Gebete nicht nur hören, sondern auch erhören und uns Hilfe verschaffen.

Der Segen der Lehre der Vorsehung ist also Hoffnung, Sicherheit und Gewissheit. Oder wie Calvin es schreibt (Inst. I 17,11):
Kurzum, ich will mich nicht länger damit aufhalten; man kann es leicht durchschauen, wenn man es betrachtet: das schlimmste Elend ist es, die Vorsehung nicht zu kennen, das höchste Glück aber, von ihr Kunde zu haben.

08 September 2007

Vorsehung

Inst I 16

Gott ist nicht nur der Schöpfer der ganzen Erde, sondern er erhält und lenkt sie auch weiter. Diese Tätigkeit wird mit Vorsehung bezeichnet. Vorsehung ist nicht bloss das zum Voraus wissen, was passieren wird – im Sinne, dass ich etwas wissen kann, bevor es passiert. Wenn Gott einfach alles schon zum Voraus wissen würde, was passieren wird, wäre das für unseren Verstand und unsere Wahrnehmung schon staunenswert genug. Gottes Wesen wäre aber damit nicht richtig beschrieben. Bei der Vorsehung geht es vielmehr darum, dass Gott etwas vorsieht, etwas plant, das ganz gewiss geschehen wird. Es wird ganz gewiss geschehen, weil er der Allmächtige ist und darum sein Plan ganz sicher ausgeführt werden wird. Calvin definiert die Vorsehung darum mit der Regierung der ganzen Welt.

Weiter hält Calvin in diesem Kapitel fest, dass die Vorsehung ein aktiver Akt ist. Gott lässt nicht einfach Dinge geschehen – lässt sie zu –, die ihrem natürlichen Lauf unterworfen sind, oder durch einen anderen Willen herbeigeführt wurden, bestimmt und leitet alles.

Dabei ist wichtig festzuhalten, dass Gott nicht nur einfach die grosse Weltgeschichte lenkt, sondern dass seine Vorsehung immer das Einzelne betrifft. So kann Calvin sagen (Inst I 16,5):

Wenn wir das annehmen, so ist uns klar, dass nicht ein Regentropfen ohne Gottes gewissen Befehl herniederfällt.


Diese Vorsehung gilt im besonderen dem Menschen. Es ist leicht zu denken, dass Gott die Dinge, die ohne eigene Willenskraft, wie die Natur, das Wetter und die Tiere, die durch ihren Trieb gelenkt werden, regiert. Für Gott ist der Mensch, mit seinem eigenen Willen, Planen und Streben, nicht ausser Reichweite. Die Schrift zeigt vielmehr, dass auch hinter seinen Wünschen Gottes wirken steht (Spr 16,1): «Der Mensch setzt sich's wohl vor im Herzen; aber vom Herrn kommt, was die Zunge reden wird.»

Gegen diese Lehre gibt es viele Einwände. So sagen die einen, dass sie zum Fatalismus führt. Der Mensch muss sich so also seinem Schicksal hingeben und kann nichts gegen den göttlichen Plan unternehmen. Wer so denkt, der zeigt aber, dass er die Lehre nicht verstanden hat. Schicksal ist kein Wort, das auf den Gedanken der Vorsehung zutreffen würde. Vielmehr erkennt Gottes Kind hinter allem was passiert, die liebende und erhaltende Güte seines Vaters, auch wenn er den Plan nicht verstehen kann.

14 August 2007

Das Geschöpf Mensch

Inst I,15

Wie alles andere, hat Gott auch den Menschen geschaffen. Ursprünglich galt für den Menschen das Urteil, das Gott über die ganze Schöpfung gefällt hat (1Mo 1,31): «Und Gott sah an alles, was er gemacht hat, und siehe, es war sehr gut.» Aus diesem Grund kann der Mensch Gott nicht verantwortlich machen für seine Unzulänglichkeit.

Gott hat den Mensch als ganzes Wesen geschaffen; mit Leib und Seele. Geist und Seele bezeichnen dabei den gleichen unsterblichen Teil des Menschen. In diesem Teil wird sichtbar, dass der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde. Auch die Tiere haben einen Leib und sind Gottes Geschöpfe. Der Mensch aber unterscheidet sich mit seiner Seele von allem, was sonst noch auf der Erde kreucht und fleucht. Calvin geht bei seinem Nachdenken über die Ebenbildlichkeit nicht einfach von den hebräischen Begriffen aus, die man im ersten Kapitel der Bibel findet, sondern vor allem vom wieder hergestellten Menschen. In Christus wird der Mensch zu Gottes Bilde verwandelt. Der (Zu)Stand des erlösten Menschen zeigt, wie Gott einst sein Geschöpf gedacht hatte.

Was die Seele anbetrifft, so haben manche Philosophen den Versuch gemacht Licht in dieses Geheimnis zu bringen. Sie konnten zwar einige Dinge erkennen, die durchaus wahr sind. So besteht der Mensch eben nicht nur aus Leib, sondern zeichnet sich durch Willen, Verstand, seine Sinne und das Gemüt und die Vernunft aus. Wie diese Dinge zusammenspielen, wird verschieden ausgelegt. Die philosophischen Gedanken gehen aber nicht davon aus, dass der Mensch ein gefallenes Wesen ist; darum können sie die Wahrheit nicht ganz erfassen, die in der Schrift offenbart wird.

27 Juli 2007

Die unsichtbare Welt

Inst I,14

Das vierzehnte Kapitel ist ein sehr spannender Text. Er zeigt wie umfassend der Genfer Reformator zum christlichen Glauben Stellung bezieht. Heute werden gerne einige Themen ausgeklammert oder wenigstens andere so deutlich betont, dass die ersten überhört werden. Viele Theologen haben ihre Spezialthemen, die sie mit aller Kraft lehren. Auf Gebieten, die ihnen dann nicht so geläufig sind, zeigen sie sich dann ohne Kontur. Das kann man bei Calvin nicht entdecken. Hier schreibt er mit aller Deutlichkeit über Engel, den Teufel und die bösen Mächte – Themen, die wir heute gerne Charismatikern und Mystikern überlassen.

Zuerst weisst Calvin allerdings noch einmal, und später an mehren Stellen in diesem Kapitel, darauf hin, dass reformierte Christen sich nicht wilden Spekulationen hinzugeben haben. Sie haben vielmehr Gottes Offenbarung in seinem Wort. Jede Frage, die über diese Offenbarung hinausgeht, führt höchstens in die Irre. So gibt die Bibel keine Auskunft darüber, was Gott vor der Schöpfung machte. Wir können nicht erfahren, warum er plötzlich zum Entschluss kam, die Welt zu machen. Auch in der Engelwelt gibt es viele Fragen, die uns vielleicht sehr wichtig erscheinen, zu denen sich die Schrift nicht äussert. Es widerspricht der Heiligen Schrift, wenn wir, um die Neugier der Menschen zu befriedigen, ein Lehrsystem bilden, das nicht in der Schrift selbst begründet ist (z.B. die Machtverhältnisse in der Engelwelt). Die Bibel gibt uns wohl hier einige Andeutungen, die Calvin wohl wahrnimmt. Diese Andeutungen sind genug Anlass zum Trost und der Zuversicht im Glauben. Wir brauchen keine weitere von Menschen gemachte Sicherheit und Gewissheit.

Die Engel sind Wesen und nicht nur Kräfte, die nach Gottes Auftrag handeln. Das Wort Engel hat seinen Ursprung im Begriff «Bote». Sie handeln nach Gottes Willen, reden Gottes Willen und haben die Macht, die Gott ihnen zugedacht hat. Die Schrift sagt uns, dass diese Wesen die Gläubigen schützen und ihnen helfen. Ob jeder Gläubige einen Schutzengel hat, entzieht sich aber wieder der biblischen Offenbarung. Calvin meint, dass wir zu klein denken, wenn wir meinen, dass Gottes Schutz für seine Kinder sich auf einen Engel beschränkt. Der Schutz unseres Vaters ist für jedes seiner Kinder umfassend. Niemand ist schutzlos der unsichtbaren Welt ausgeliefert, wie es heute manche charismatischen "Propheten" suggerieren. Die biblische Lehre über die Engel will das Vertrauen auf den Schutz des allmächtigen Gottes stärken. Darum versteht es sich auch von selbst, dass die Engel selbst von den Menschen nicht angebetet oder verehrt werden sollen. Sie sind Gottes Diener und setzen sich für seine Ehre ein. Wenn die menschliche Neugier sich auf diese himmlische Geschöpfe fixiert, wird der Glaube irre geleitet. Das Vertrauen des Gläubigen gehört einzig dem ewigen Gott, dem Schöpfer und Erlöser.

Die bösen Mächte und der Teufel, über die heute nur noch spasseshalber gesprochen wird, sind für Calvin ebenso eine Realität, wie die Engel. Es sind entartete Wesen, die mit ihrer ganzen Macht Gott und denen, die zu ihm gehören widerstreben. Das bedeutet, dass jeder Mensch, der sich zu Gott zählt, in einen unversöhnlichen Krieg hinein genommen wird. Die Warnung, dass wir diese bösen Mächte unterschätzen könnten, finden wir an einigen Stellen in der Schrift. Diese Warnung soll uns aber nicht ängstlich verzweifeln lassen, sondern uns nur noch viel mehr zu unserem Erlöser rufen. Die Machtverhältnisse sind geklärt. Christus hat das Böse überwunden – er ist Herr. In allen Versuchungen und Nöten ist Gottes Kind bei seinem Erlöser in Sicherheit.

Alles was Gott schuf, und hier kommt Calvin wieder auf die sichtbare Welt zurück, dient dazu, dass der Mensch Gottes Grösse und Reichtum, Weisheit und Güte, Gnade und Macht erkennen kann. Das gilt nun auch für das Unsichtbare, wie es uns der himmlische Schöpfer in seinem Wort offenbart. Diese Erkenntnis führt Gottes Kinder zur aufrichtigen Dankbarkeit, weil sie die Treue und die Obhut ihres Erlösers erkennen können.

18 Juli 2007

Der dreieinige Gott

Inst I,13

Interessant ist in diesem Kapitel die Einfachheit, Zurückhaltung und Bescheidenheit Calvins. Um Dreieinigkeit Gottes stritten die Christen zu allen Zeitaltern. Diese Auseinandersetzungen brachten Trennung und Eigendünkel hervor. Der Reformator, der doch sonst gar nicht verlegen ist seine Meinung zu sagen, geht dieses Kapitel langsam an. Erst ab dem Abschnitt 21 geht er auf die verschiedenen Meinungen ein – mit einigem Widerwillen, wie zu lesen ist.

Bevor Calvin auf das dreieinige Wesen Gottes eingeht, zeigt er die Grenzen der Erkenntnis. Für uns Menschen ist Gottes Wesen unermesslich und geistlich. Das heisst, dass wir Gott nicht mit unseren Kategorien messen können. Er übersteigt unsere Vorstellungskraft. Unsere irdischen Worte und Gedanken, können ihm nicht gerecht werden. Dass Gott ein dreieiniges Wesen hat, können wir nicht in der Natur erkennen. Dort kann der Mensch, wie bereits in den vorhergehenden Kapitel festgehalten wurde, zwar entdecken, dass es einen Gott geben muss, aber über das dreieinige Wesen, kann uns nur die Schrift Auskunft geben. Das reformatorische «sola scriptura» kommt an diesem Punkt der Lehre deutlich zum tragen. Wir können uns nicht eigene Gedanken über Gottes Wesen machen, wenn wir ihn wirklich erfassen wollen, sondern müssen seiner Selbstoffenbarung in der Schrift folgen. Es gehört sich auch nicht, dass wir uns über diese Offenbarung hinaus Gedanken machen. Was uns Gott von sich zeigt, soll uns genügen, um ihn zu suchen und anzubeten. Calvin schreibt dazu: «Wir müssen vielmehr ein gewisses Mass halten, und aus der Schrift ist eine sichere Regel für Denken und Regel zu entnehmen, nach der sich alles Sinnen unseres Geistes und alles Reden unseres Mundes zu richten hat.»

Das Wort Dreieinigkeit beschreibt, was in der Bibel zum Ausdruck gebracht wird, obwohl wir das Wort selbst in der Schrift nicht finden. Dabei geht es nicht darum, dass wir um dieses Wort streiten, sondern eben darum, dass wir Gott so erkennen, wie er sich in seinem Wort zeigt. Hier lesen wir vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist. Deutlich wird festgehalten, dass Jesus Christus das ewige Wort Gottes ist. Ja er selbst ist Gott. Darum erstaunt es nicht, dass Calvin ausführt, dass wir den ewigen Sohn auch schon im Alten Testament entdecken. Das Neue Testament hinterlässt schliesslich keinen Zweifel mehr, dass Jesus der ewige Sohn Gottes ist. Das wird zum einen in seiner Predigt, dem Zeugnis der Apostel und seinen Taten sichtbar. Auch der Heilige Geist ist Gott. Sein Wirken wird ebenfalls bereits im Alten Testament sichtbar. Wiederum wird im Neuen Testament ganz klar und offen gesagt, dass er den Glauben in den Menschen wirkt. Er ist der ewige Lebensspender. Es entspricht also einfach nicht der Heiligen Schrift, wenn Menschen behaupten, dass nur der Vater der eigentliche Gott ist. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind Gott. Alle drei werden zum Beispiel in der Taufformel gemeinsam erwähnt.

Diese drei sind eine Einheit. Es trifft auch nicht zu, dass die Christen drei Götter verehren, wie zum Beispiel die Moslems behaupten. Wir kennen nur den einen Gott. Hier merken wir, dass das Wesen unseres Gottes über unsere Vorstellungskraft hinausgeht. Gerade das macht es nötig, dass wir vorsichtig mit dieser Lehre umgehen und Gottes Ehre suchen und nicht unsere Neugier befriedigen oder unsere eigene Weisheit zeigen wollen. Auch Calvin ringt um Worte. Die Dreieinigkeit zeigt zum einen das Verhältnis in der Gottheit selbst. Wir sehen, dass es bei allem, was diese drei Personen tun, um den einen Willen geht. Der Vater sendet den Sohn, der Sohn erfüllt den Willen des Vaters und der Geist verkündet, was er gehört hat. Man kann die drei Personen oder Hypostasen (Wesen oder Erscheinungsformen), wie Calvin das nennt, nicht von einander trennen. Wir können also in der Schrift einfach erkennen, dass der eine Gott dem Menschen in der Form des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erscheint. Alle Versuche dieses grosse und heilige Geheimnis für den menschlichen Verstand aufzulösen, sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

02 Juli 2007

Die Gestalt Gottes – eine Frage der Ehre

Inst. I,11-12

Als Menschen sind wir es uns gewohnt, jemanden, den wir kennen lernen, über sein Aussehen zu definieren. Welche Gestalt geben wir Gott? Die Schrift verbietet deutlich jedes Abbild von Gott. Jeder Versuch das zu tun, trägt viele Gefahren in sich.

Zum einen wird aus der Neigung des Menschen, dass das, was er vor Augen hat Wirklichkeit ist, das Bild bald selbst zu Gott. Jeder Versuch einer theologischen Erklärung, die Bilder von Gott rechtfertigt, wie ihn die Ostkirche und auch die römische Kirche vorbringen, ist blosse Spitzfindigkeit und blosse Augenwischerei. Tatsache ist, dass sich das Herz des Menschen bald an das Abbild hängt, das er vor Augen hat. Nicht ohne Grund wurden die Statuen bis aufs Blut der Anbeter verteidigt. Weiter widerspricht ein Bildnis Gottes Wesen. Er ist Geist und kann nicht mit irgendetwas, das es stofflich auf Erden gibt, dargestellt werden. Jeder Versuch das zu tun, lenkt schlussendlich nur von der wahren Gotteserkenntnis ab. Als dritte Gefahr ist dann noch die, dass an manchen Orten Bilder gemacht werden. Damit ist bald nicht mehr klar, dass es nur einen Gott gibt. Wenn jeder sein eigenes Bild von Gott anbetet (was gerade heute sehr gerne getan wird – auch wenn dem Bild keine Gestalt gegeben wird), wird Gott vervielfacht. Gott ist der Eine einzige Gott. Wer Bilder macht, verwischt diese Wahrheit.

Calvin zeigt nochmals, dass die Erkenntnis Gottes aus der Schrift, der Selbstoffenbarung Gottes, kommen muss. Die römische Lehre sagte den Bildern in der Kirche «der Laien Bücher». Weil sie Gott nicht anders erkennen können, so wurde argumentiert, sollen sie sich an diesen Darstellungen orientieren. Dem widerspricht der Reformator heftig. Er zeigt der Kirche vielmehr, dass sie eben die Aufgabe hätte, die Laien Gottes Wort so vor die Augen zu malen, dass sie den einzigen wahren Gott erkennen können. Diese Argumentation, die heute wieder an Aktualität gewonnen hat. Heute versuchen die Menschen Gott auf verschiedene Arten zu erfahren. Wahrheit bleibt, dass Gott aus der Schrift erkannt werden will. --> Leseempfehlung Inst. I,11,7!

Ob man Gott in einem Bild darstellen soll oder nicht und wie man sich den Schöpfer zu denken hat, ist nicht dem menschlichen Eigendünkel überlassen. Es ist vielmehr eine Frage der Ehre. Der ewige Gott will seine Ehre nicht mit den Bildern teilen, die wir in uns hochhalten. Dass sich die Menschen immer wieder viele Götter gemacht haben, ist ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass ein Gott über die ganze Erde herrscht. Gott tut das aber. Darum soll er alle meine Ehre erhalten. Das ist das Ziel der Gotteserkenntnis, wie es Calvin selbst sagt (Inst. I,12,1): «Wir haben eingangs ausgesprochen, dass die Erkenntnis Gottes nicht in kaltem Gedankenspiel besteht, sondern Gottes Verehrung mit sich bringt.»

30 Juni 2007

Die Klarheit der Gotteserkenntnis in der Schrift

Inst. I,10

Die Schrift zeigt uns Gott in grosser Klarheit. Dabei widerspricht sie der natürlichen Offenbarung nicht. Das, was uns die Natur über den Schöpfer zeigt, finden wir in der Bibel wieder. Noch einmal betont Calvin, dass die Menschen gerade darum keine Entschuldigung haben, wenn sie im Unglauben leben.

Drei Dinge lehrt die Schrift über Gott, die wir vernehmlich wissen sollten. (1) Sie zeigt Gottes Barmherzigkeit, auf der unser Heil beruht. Wenn Gott in seiner Erhabenheit bleiben würde, gäbe es für uns keine Hoffnung. (2) Sie zeigt, dass Gott die Sünder richtet. Schon in diesem Leben widersteht er denen, die sich gegen ihn wenden. Im letzten Gericht wird er schliesslich alles verdammen, was sich gegen ihn erhebt. (3) Die Schrift zeigt Gottes Gerechtigkeit, in der er die Seinen erhält und sie mit Güte segnet.

Auch die wildesten Menschen tragen in ihren Herzen, dass es diesen einen Gott gibt, den die Schrift uns vorstellt. Obwohl einige Völker sich viele Götter denken, wohl weil sie sich nicht vorstellen können, dass ein einziger alles wirken kann, bleibt die Ahnung des Höchsten doch auch bei ihnen. Diese Ahnung, die oft auch in der Sprache zum Ausdruck kommt – immerhin steht das Wort Gott nicht nur in der Mehrzahl und viele kennen einen obersten Gott, von dem alles abhängt –, weist auf den Schöpfer hin und ruft alle Menschen aus allen Völker zum Glauben auf.

Die Schrift hält als erstes deutlich fest, dass nur ein Gott ist, der von allen Menschen verehrt werden soll. Das ist klar und deutlich!